Seltsame Vorgänge im Baskenland

Vor fast einem Monat hatte ich nicht schlecht gestaunt, als ich vor meiner Wohnungstür einen seltsamen Lederbeutel gefunden hatte. Der Inhalt war noch seltsamer: Ein in einer baskischen Zeitung eingewickelter Kieferknochen einer Ziege oder eines Schafes…

Schnell war klar, dass es sich um den Einstieg eines neuen ARGs handelte. Genau so schnell fanden sich auch andere, die einen gleichen Lederbeutel vor der Tür gefunden haben. Aber was sollte er bedeuten? Eine geheime Nachricht enthielt der Beutel schon: Zwischen den Zeilen der Zeitung fand sich der Code “1.M 4 09 45″, der aber bei den Anderen anders, aber ähnlich war – Letztendlich führten uns die Codes auf die Webseite www.unberuehrbar.de.

Wenige Tage später erhielten andere eine komische Postkarte von einer Bea (wie z.B. von Mitspielerin JessSoul). Sie schrieb aus Etxalar, einem baskischen Dörfchen. Beim Vergleich stellten sich gehäuft immer wieder die gleichen Fehler, die eindeutig ein SOS ergaben. Wir fanden in einem Forum heraus, dass Bea ein Method Research in der Region gemacht hat und mit einem gewissen Paul Andermatt und einem Bernhard Eisenstein gefahren ist. Ihren Professor haben wir auch ausfindig gemacht und eine Webseite zu einem neuerscheinenden Buch “Hexen – Wahn und Wahrheit”, das auch eine Lesung bewarb, die am 10. März im hamburger Völkerkundemuseum stattfand.

Die Lesung verlief ebenfalls sehr komisch. Immer wenn Herr Professor Herrmann von Balthasar (so hieß Beas Prof) sich über die katholische Kirche geäußert hat, räusperte sich ein Herr in den hinteren Bankreihen. Das ging soweit, dass der Herr die Lesung störte und auch kurzerhand aus dem Saal befördert wurde. Eine zweite Störung passierte durch eine Frau, die bei Erwähnung von Angulas zum Prof ging und ihm einen Zettel gab und verschwand. Nach der Übergabe wirkte der Professor unkonzentriert und hat seinen Vortrag ziemlich schnell beendet. Blume und ich versuchten, dieser Frau nachzugehen und sie zu befragen, wir fanden aber nur den Störer und befragten ihn. Nach der Lesung wollten wir auch den Professor zur Rede stellen, da er in den Postkarten auch erwähnt wurde. Aber er stritt ab, sie zu kennen. (Eine Zusammenfassung des Events hat Mitspielerin Zora veröffentlicht)

Wie wir wenig später erfahren hatten, hatte er nach der Lesung einen “Unfall” – offensichtlich durch Manipulation an den Bremsleitungen. Er setzte sich mit uns in Kontakt und informierte uns in einer Skype-Konferenz über das, was er wusste.

Nachdem wir mit ihm gesprochen hatten, konnten wir auch Zugang zu Beas Blog bekommen (User: Bea Sarstedt, Pass: Angulas). In ihr veröffentlicht sie seit dem 9. März vordatierte Blogeinträge. Gerade der erste lässt uns alle schaudern:

Ich schreibe diese Zeilen in der Nacht zum 22. Februar 2011. Es ist die längste und gleichzeitig die letzte Nacht meines Lebens.

In ihren weitern Ausführungen schreibt sie davon, ein 400 Jahre altes, in baskischer Sprache verfasstes Buch vererbt bekommen zu haben. Sie hat einen Dolmetscher beauftragt, es zu übersetzen. Es ist ein Tagebuch von einem Mädchen, das Unberührbar ist, nicht mit anderen “normalen” Christen in Kontakt kommen darf. Sie beginnt eine Liebesbeziehung mit einem “normalen” Jungen und trifft sich mit ihm in einer Höhle. Ein anderes Mädchen bekommt das aber mit und beschuldigt sie der Hexerei. Der Junge wird ebenso aussätzig und ihm wird, nachdem er das falsche Weihwasserbecken benutzt hat, die Hand abgehackt. Er stirbt an den folgen. Dem Mädchen wir offensichtlich der Hexenprozess gemacht und stirbt wahrscheinlich auch.

Eine Seite kann der Übersetzer Mikel nicht übersetzten. Nachdem wir Kontakt zu ihm aufgenommen haben, will er sich mit uns am Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park treffen und uns das Original geben. Doch ein vermeintlicher Mitspieler (er hat sich uns als Markus vorgestellt) zückt im Moment der Übergabe das Messer, nimmt die Seite zu sich und verschwindet mit Mikel als Geisel und einer Scharfschützin mit Laserzielvorrichtung im Hinterhalt in der Dunkelheit. Kurz darauf bekommen wir Geokoordinaten zu einem nahe gelegenen Hafen. Wir finden Mikel auf einer Barkasse. Doch plötzlich taucht der Maulwurf wieder auf und ein anderer Mitspieler geht von Bord um ihn aufzuhalten, so dass wir fliehen können. Mikel war so vorausblickend und hatte davor nicht das Original und überließ uns nun dieses. (Eine Zusammenfassung des Events hat Mitspielerin Blume veröffentlicht)

Nach der Entschlüsselung finden wir eine Wegbeschreibung – vermutlich zu der Höhle.

Am kommenden Wochenende will nun der Professor eine Reise mit einigen von uns ins Baskenland wagen um Bea zu retten – wir sind gespannt und harren der Dinge.

Wer Interesse hat, ins Spiel einzusteigen und mitzurätseln, findet die Rätsel-Community im ARG-Reporter Forum. Einen ARG-Newsletter findet sich auf www.unberuehrbar.de und eine Zusammenfassung der Ereignisse in der ARG-Reporter-Wiki.

Herausforderungen 2011

Inzwischen ist Geocaching für mich eine Art Sucht geworden. Egal wo ich hin gehe, habe ich das Bedürfnis, gleich zu gucken, ob ich dort in der Nähe einen Cache finden kann. Jetzt hab ich mir für dieses Jahr auch einige Flusen in den Kopf gesetzt:

  1. Ich möchte in diesem Jahr jeden Tag mindestens einen Cache finden (Seit dem 31. 12. bin ich schon diszipliniert dabei)
  2. Ich möchte einen Powercaching-Tag ausprobieren: d.h. in 24 Stunden so viele Caches wie möglich finden (wird in Berlin schwer, aber irgendwo in der Pampa mit Fahrrad wird schon gehen)
  3. Ich möchte 9 verschiedene Cachetypen an einem Tag finden (Würde ja gerne mehr machen aber das ist in Berlin zur Zeit das Maximum) [update 28.8.2011: In Köln leider nur 8 von 10 Möglichen geschafft]
  4. Ich möchte in jedem Ortsteil von Berlin mindestens einen Cache finden. (Aktuell: 95 von 95, Stand 1.4.2011) [updated]

Also, wenn ihr Lust habt, mir bei einer Herausforderung beizuwohnen, seid ihr gerne eingeladen – Naja, für Nummer 1 ist es wohl schon zu spät…

Happy caching!

Zum Thema Hinterhofgemeinde

Hier mal ein Zitat vom ehemaligen Vorsitzenden des Gemeindekirchenrats der St. Petri-St. Marien-Gemeinde und dessen Vorgängergemeinde St. Petri-Luisenstadt:

Wir vertrauen auf die versöhnende Kraft unseres gemeinsamen Glaubens und halten fest an unserem immer wieder diffamierten Hinterhof-Kirchsaal und erinnern uns in diesen Tagen voller Freude an die weihnachtliche Heilsbotschaft, die aus einem Stall kam – nicht aus einer Kathedrale.

(Dr. Dietmal Wauer)

Fusionsverträge nutzlos!

Es ist zwar schon ein paar Tage her, aber jetzt kam zumindest das Protokoll der Sitzung des kirchlichen Verwaltungsgerichts zur Klage des Pfarr- und Wahlbezirkes St. Petri gegen den Gemeindekirchenrat der Gemeinde St. Petri-St. Marien ins Haus geflattert. Es ging um die Wiederaufnahme der wöchentlichen Gottesdienste im Kirchsaal von St. Petri und um die Wiedererrichtiung der Pfarr- und Wahlbezirksgrenzen, die beide im Fusionsvertrag sichergestellt waren.

Die Klage wurde abgewiesen.

Aber nicht aus sachlichen Gründen, sondern weil nach rechtlicher Auffassung der Pfarr- und Wahlbezirk nicht klageberechtigt ist.

Folglich gibt es keinen, der nach einer Gemeindefusion die Einhaltung des Fusionsvertrages fordern und im Zweifel einklagen kann. Der nach einer Fusion neu gebildete GKR ist nicht an die Beschlüsse des Fusionsvertrages gebunden!

Was mich noch mehr betrübt ist, dass die Beklagten es mal wieder geschafft haben, einer sachlichen Diskusion aus dem Wege zu gehen, sondern sich hinter Formalia und Paragraphen zu verstecken. Wie kann man nur die Wünsche, Ängste und Sehnsüchte der über 80 Kläger ignorieren???

PS:
ChristianBerlin berichtet über die Verhandlung in seinem Blog. Der Artikel und auch die Kommentare sind sehr Lesenswert!
Ein Zitat von ChristianBerlin in den Kommentaren:

Man sieht Leuchttürme von weitem besser, wenn ringsum alles platt gemacht wird.

Endlich wird’s ernst:

Die Verhandlung zwischen der Kirchengemeinde St. Petri-St. Marien und dem Pfarrbezirk St. Petri steht vor der Tür. Sie findet am kommenden Montag, den 31. Mai 2010, um 12 Uhr beim Verwaltungsgericht im Kirchlichen Zentrum in der Georgenkirchstraße 69 statt.

Die Verhandlung ist öffentlich. Also seid herzlich willkommen, an der Verhandlung teilzunehmen.

Mit dem Konflikt der beiden Parteien tritt erstmals ein Urproblem von gemeindlichen Fusionen an ein Gericht und wird somit zum Präzedenzfall in Hinblick auf die Halbwertszeit und die Verbindlichkeit von Fusionsverträgen und wird vermutlich Auswirkungen auf zukünftigen Gemeindefusionen zumindest in unserer Landeskirche haben.

Die Pressemitteilung des Anwalts des Gemeindeteils St. Petri:

Über den praktischen Wert eines Fusionsvertrages

Lehrbeispiel von St. Petri-St. Marien in Berlin-Mitte

Der Gemeindeteil St. Petri hat im Wege eines Organstreitverfahrens Klage beim kirchlichen Verwaltungsgericht wegen Verletzung des Fusionsvertrages erhoben. Dem GKR wird darin vorgeworfen, entgegen den Festlegungen im Fusionsvertrag aus dem Jahr 2005 die regelmäßigen Gottesdienste in der Neuen Grünstraße eingestellt sowie die Pfarr- und Wahlbezirke St. Petri und St. Marien aufgehoben zu haben. Das Verfahren ist aus der Sicht des Gemeindebundes deswegen von grundsätzlicher Bedeutung, weil es zeigen kann, welchen praktischen Wert Fusionsverträge haben, die bei Gemeindefusionen oft mit großer Feierlichkeit formuliert und unterzeichnet werden.

Das Konsistorium ist der schroffen Auffassung, dass Fusionsverträge nicht einforderbar sind. Als es zum aufsichtsrechtlichen Einschreiten wegen Verletzung des Fusionsvertrages von St. Petri-St. Marien gebeten wurde, schreibt es unter Ablehnung der Bitte: “Wir gehen davon aus, dass mit der Vereinigung der beiden Kirchengemeinden die Regelungen des Fusionsvertrages … fortbestehen, aber durch Beschluss des Gemeindekirchenrates der neuen Kirchengemeinde geändert werden können. In einem solchen Beschluss ist der Gemeindekirchenrat frei.”

Da bereits kirchengerichtlich verschiedentlich geklärt worden ist, dass einzelne Gemeindeglieder kein Recht auf Einhaltung eines Fusionsvertrages haben, könnte einem Fusionsvertrag in letzter Konsequenz nur dann rechtliche Bedeutung zukommen, wenn wenigstens die in Fusionsverträgen häufig vorgesehenen Pfarr- und Wahlbezirke die Vertragseinhaltung verlangen können. Ob sie nun aber ein solches Recht haben, wird das kirchliche Verwaltungsgericht anlässlich der Klage von St. Petri am 31. Mai 2010 um 12.00 Uhr im Gebäude des Konsistoriums zu verhandeln und zu entscheiden haben. Die Verhandlung ist öffentlich.

Georg Hoffmann (Rechtsanwalt, Berlin)
(Quelle: GemeindebundNewsletter Nr. 13 von April 2010)